Februar 2, 2026 / Alles, Featured, Gemeinden am Standort, Indigene Bevölkerung, Innovationen, Mercer Peace River, Nachhaltigkeit, Neues zum Unternehmen, Umwelt Die verborgene Landschaft sichtbar machen Wie Technologie und traditionelles Wissen zum Schutz borealer Feuchtgebiete beitragen Kanadas borealer Wald ist mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen. Fast die Hälfte der Flächen, die Mercer Peace River im Rahmen seiner Forstmanagementverträge bewirtschaftet, sind Feuchtgebiete – und ihr Schutz erfordert ein Verständnis der Landschaft über das hinaus, was mit bloßem Auge sichtbar ist. Wenn Wasser unsichtbar bleibt Im borealen Wald im Nordwesten Albertas ist Wasser allgegenwärtig. Doch oft nicht an der Oberfläche sichtbar, sondern im Landschaftsgefüge verborgen – ein System, das diese Ökosysteme seit Jahrtausenden prägt: Moore, Niedermoore, Sümpfe, saisonale Feuchtflächen und unterirdische Wasserläufe, die sich mit Schneeschmelze und Regen verändern. Herkömmliche Karten erfassen vor allem große Gewässer, Seen, Flüsse, Bäche – die auf Luftbildern gut erkennbar sind. Doch oberflächennahe nasse Bereiche, Schwankungen des Grundwassers oder kleine Wasserläufe, die Landschaften miteinander verbinden, blieben in der Forstplanung lange unsichtbar. Diese Unsichtbarkeit birgt Risiken: Bodenverdichtung, Fahrspuren, Sedimenteinträge in Gewässer und Störungen von Entwässerungssystemen, die seit Jahrtausenden bestehen. „Man kann nicht managen, was man nicht sieht“, sagt Lee Rueb, Woodlands Manager bei Mercer Peace River. „Und jahrzehntelang arbeitete die Branche mit einem unvollständigen Bild.“ LiDAR macht verborgene Wasserwege sichtbar Eine Wende brachte die Wet Areas Mapping (WAM)-Initiative der Provinz Alberta. Sie entstand in Zusammenarbeit zwischen Provinzregierung, University of New Brunswick und Industriepartnern. Mithilfe von LiDAR-Technologie aus der Luft werden hochpräzise digitale Geländemodelle erstellt. Flugzeuge senden Millionen von Laserimpulsen aus, die die Baumkronen durchdringen und die Entfernung zur Oberfläche messen. Daraus entsteht ein dreidimensionales Modell der Landschaft. So lässt sich berechnen, wo Wasser fließt oder sich sammelt, selbst wenn an der Oberfläche nichts zu erkennen ist. “Herkömmliche Kartierungen erfassen nur große Gewässer”, erklärt Gord Whitmore, Strategic Management Superintendent bei Mercer Peace River. “Nicht erkennbare, oberflächennahe Feuchtbereiche, Grundwasserstände oder kleine Wasserläufe, die zu unerwarteten Kosten, Verzögerungen oder Umweltschäden führen können, bleiben oft unberücksichtigt.“ WAM nutzt diese Höhendaten und kombiniert sie mit hydrologischen Modellen, um einen sogenannten „Depth-to-Water-Index“ zu erstellen – eine erstaunlich genaue Vorhersage, wie tief Wasser an einem bestimmten Punkt unter der Oberfläche liegt. Mercer setzt LiDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) in unserer Waldbewirtschaftungsplanung ein. Wie Daten die Planung verbessern Bei Mercer Peace River ist diese Kartierung inzwischen ein fester Bestandteil der Planung. Das Unternehmen bewirtschaftet rund 2,7 Millionen Hektar borealen Walds im Rahmen zweier langfristiger Forstmanagementverträge mit der Provinz Alberta. Die WAM-Daten zeigen, wo hydrologisch sensible Bereiche liegen. Sie helfen zu entscheiden, wo Schutzabstände nötig sind, wo Arbeiten nur zu bestimmten Jahreszeiten erfolgen sollten und wo saisonale Zufahrten geplant werden können. Feuchte Böden sind weniger tragfähig; daher werden solche Bereiche etwa während der Frühjahrsschmelze oder nach starken Regenfällen gemieden, um Bodenverdichtung und Fahrspuren zu verhindern. Auch die Planung von Straßen orientiert sich an diesen Daten, um Eingriffe in Wasserflüsse zu minimieren. Was Technologie nicht zeigen kann Doch es gibt Aspekte, die selbst LiDAR nicht erfassen kann. Die Technologie zeigt keine traditionellen Sammelgebiete für Heilpflanzen, keine von indigenen Völkern über Generationen genutzten Fallen- oder Jagdgebiete und keine Orte von kultureller oder spiritueller Bedeutung. Dafür braucht es eine andere Form von Wissen. 2019 startete Mercer Peace River gemeinsam mit First Nations und Métis-Gemeinden Projekte zur Dokumentation traditioneller Landnutzung. Finanziert werden diese durch die Forest Resource Improvement Association of Alberta (FRIAA) und Mercer. Ziel ist es, indigenes Wissen über die Landschaft systematisch zu dokumentieren. Zentrales Werkzeug ist der sogenannte Spatial Viewer – eine webbasierte GIS-Plattform von Silvacom FMS. Sie ist bewusst so gestaltet, dass sowohl Fachleute als auch Gemeindemitglieder ohne technische Vorkenntnisse Daten eingeben können: historische Lagerplätze, Geburts- und Begräbnisstätten, Sammelgebiete für Heilpflanzen, bedeutende Gewässer, Jagd- und Fanggebiete oder traditionelle Wege. „Im Mittelpunkt steht eine von den Gemeinden selbst geführte Datensammlung“, sagt Rueb. „So können Mitglieder wichtige Bereiche ihrer Landschaft selbst dokumentieren.“ Wenn Wissen und Daten zusammenkommen Im Spatial Viewer laufen all diese Informationen zusammen. Ein Forstplaner kann zwischen LiDAR-Geländemodellen, Feuchtgebietskartierungen, behördlichen Datensätzen, hochauflösenden Luftbildern mit und ohne Laubdeckung sowie den von indigenen Gemeinden bereitgestellten Informationen wechseln. Das Ergebnis ist beeindruckend: Was auf einer Standardkarte als gleichförmiger Wald erscheint, zeigt sich plötzlich als vielfältige Landschaft mit unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionen. Ein hydrologisch sensibles Niedermoor kann zugleich ein traditionelles Sammelgebiet sein. Ein modellierter Wasserlauf deckt sich vielleicht mit einem Gewässer, das Gemeinden seit Generationen kennen – lange bevor es Satellitenbilder gab. „So entsteht ein fundierter Dialog über unsere Planungen, unsere Daten und die Werte und Interessen der Gemeinden in diesem Gebiet“, erklärt Rueb. Nicht nur vermeiden, sondern verantwortungsvoll handeln Dabei geht es nicht nur darum, bestimmte Gebiete zu meiden. Entscheidend ist vielmehr, wie und unter welchen Bedingungen gearbeitet werden kann – oder ob es sinnvoll ist, ganz darauf zu verzichten. „Es geht nicht nur um ‚machen oder nicht machen‘“, sagt Whitmore. „Sondern darum, wie man vorgeht und wie sich vorhandene Werte schützen lassen.“ Maßnahmen können zusätzliche Schutzabstände, größere ungenutzte Rückzugsräume für Wildtiere oder eine angepasste Bodenbearbeitung zum Schutz von Beeren- oder Heilpflanzenbeständen umfassen. Möglich sind auch zeitliche Einschränkungen während sensibler Phasen. In manchen Fällen kann eine Nutzung gar dazu beitragen, dass neue Lebensräume für Wild entstehen oder das Risiko von Waldbränden reduziert wird. Forstplanung mit Blick auf 200 Jahre Die Forstmanagementpläne von Mercer Peace River arbeiten mit einem Planungshorizont von 200 Jahren. Alle zehn Jahre werden sie aktualisiert, um neue Daten, wissenschaftliche Erkenntnisse und Rückmeldungen indigener Gemeinden zu berücksichtigen. Auch die Projekte zur traditionellen Landnutzung entwickeln sich weiter. Aktuell prüft das Unternehmen Möglichkeiten, indigene Ortsnamen in die Kartensysteme zu integrieren. „Wenn wir mit Gemeinden und Ältesten die Namen verwenden können, die sie kennen, verbessert das den Austausch enorm“, sagt Whitmore. Der boreale Wald enthält mehr, als jede Karte zeigen kann. Doch die heutige Kombination aus LiDAR-Technologie, hydrologischen Modellen, hochauflösender Bildanalyse und traditionellem Wissen kommt der tatsächlichen Komplexität dieser Landschaft so nahe wie nie zuvor. Nicht nur Holzvorräte und Gewässer werden sichtbar, sondern ein lebendiges System, das Menschen und Tierwelt seit Jahrtausenden trägt – und dies auch künftig tun muss. Über den World Wetlands Day Der World Wetlands Day wird jedes Jahr am 2. Februar begangen, um auf die Bedeutung von Feuchtgebieten aufmerksam zu machen. Das Thema 2026 lautet: „Wetlands and Traditional Knowledge: Celebrating Cultural Heritage“ und würdigt die Rolle traditionellen Wissens beim Erhalt von Feuchtgebieten.